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PROGRAMM

Auf dieser Seite finden Sie aktuelle Informationen und das Programm der Dommusik für die nächste Zeit. Bitte klicken Sie rechts auf dem Kalenderblatt das gewünschte Datum an.

Kartenvorverkauf

 

Pfarrkanzlei St. Jakob
Domplatz 6, 6020 Innsbruck (Mo.–Fr. 9.00–12.00 Uhr)
Tel +43 (0) 512 - 58 39 02
e-mail dompfarre.innsbruck@dibk.at
www.dibk.at /st .jakob

Innsbruck Ticket Service
Burggraben 3, 6020 Innsbruck
Tel +43 (0) 512 - 53 56

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Arvo Pärt (geb. 1935 in Paide, Estland) ist einer der populärsten zeitgenössischen Komponisten. Nach der Auseinandersetzung mit Stilmitteln wie Zwölftontechnik, Aleatorik und Collagetechnik beschäftigt Pärt sich intensiv mit der Musik des Mittelalters und der Renaissance. Ab den 1970er Jahren etabliert er seine eigene Form, den sog. „Tintinnabuli-Stil“ (lat. tintinnabulum = Glöckchen), bei dem eine regelhafte Bindung von Dreiklangstönen, die an das Klingen von Glöckchen erinnern sollen, an eine Melodiestimme erfolgt. Dabei strebt er nach Einfachheit und Reduktion des Klangmaterials auf das Wesentliche. Gleichzeitig befasst er sich mit Texten aus der christlichen Überlieferung und bis heute sind seine Kompositionen religiös bestimmt.

Das Werk Festina lente entstand 1988 für Streichorchester und Harfe ad libitum. Pärt gestaltet hier eine einzelne Melodielinie, die von den Bässen in lang anhaltenden Tönen gespielt wird, in den Bratschen verdoppelt sich das Tempo und gleichzeitig wiederum spielen die Geigen in doppelter Geschwindigkeit zu den Bratschen. Obwohl beim Zuhören dieses Muster nicht deutlich erkennbar wird, entsteht von Anfang an ein Gefühl des inneren Zusammenhaltes.

Als ein frühes Beispiel für den Tintinnabuli-Stil steht das 1977 komponierte Stück Cantus in memoriam Benjamin Britten für Streichorchester und Glocke. Pärt schätzt die ungewöhnliche Reinheit in der Musik des 1976 verstorbenen britischen Komponisten und setzt ihm mit diesem Werk ein musikalisches Denkmal. Im Zentrum steht die Glocke, im Kammerton A gestimmt, die von den Streichern in einer absteigenden a-Moll-Tonleiter begleitet wird. Das Stück beginnt und endet mit Stille und kann als Meditation über den Tod verstanden werden.

Da Pacem Domine für gemischten Chor oder Solisten a cappella ist ein persönlicher Tribut des Komponisten an die Opfer des Terroranschlags von Madrid im Jahre 2004. In Spanien wird dieses vertonte Friedensgebet jedes Jahr zum Gedenken an die Opfer aufgeführt. In den vier Stimmen dominieren lang anhaltende Töne, es findet nur wenig harmonische Entwicklung und kaum Bewegung statt. Durch diese subtile Technik der Einfachheit gelingt es, eine eindringliche Stimmung zu erzeugen.

Einen tiefgehenden Ausdruck von Trauer und Schmerz beinhaltet auch das 1791 komponierte Requiem d-Moll KV 626 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791).

Mozart hatte sich seit einigen Jahren wieder verstärkt der Kirchenmusik zugewandt, vor allem auch zur Absicherung der Amtsnachfolge des Domkapellmeisters von St. Stephan in Wien. Der Kompositionsauftrag zum Requiem kam zunächst anonym, später wurde bekannt, dass Franz Graf Walsegg zu Stuppach hinter dem Auftrag stand. Mozart verstarb noch vor Fertigstellung dieser Trauermesse. Bis zu seinem Tode hatte er das Introitus („Requiem aeternam“) mit allen Orchester- und Vokalstimmen angefertigt, das „Kyrie“ und die Sequenz bis zum achten Takt des „Lacrimosa“ sowie das Offertorium („Domine Jesu“ und „Hostias“) mit Gesangsstimmen und Instrumentalbass notiert. Ein Entwurf fand sich auch noch für wichtige Instrumentalstimmen, die Teile Sanctus, Benedictus, Agnus Dei und Communio fehlten jedoch zur Gänze. Die Witwe Constanze Mozart beauftragte zunächst mehrere Personen mit der Vollendung der Partitur, schließlich gelang diese schwierige Aufgabe Franz Xaver Süßmayr, Mozarts Assistent in dessen letzten Lebensmonaten. Die Uraufführung dieses Gesamtwerkes fand am 2. Januar 1793 in Wien statt. Ob auch der ursprüngliche Auftraggeber Graf Walsegg zu Stuppach das Werk aufführen ließ, ist nicht überliefert.

Die Wahl der Tonart d-Moll ist durchaus ungewöhnlich, wurden Totenmessen im 18. Jahrhundert zumeist in c-Moll oder in Es-Dur geschrieben. Mozart wollte damit vermutlich auf die Sphäre des Todes hinweisen und so setzt er schon zu Beginn den düsteren Klang der Holzbläser ein. Im Vordergrund stehen die Vokalstimmen, das Orchester hat durchwegs eine begleitende Funktion, auch die Abschnitte für die Solisten weisen keine größere Virtuosität auf. Die anrührende ungekünstelte Melodiebildung, der Aufbau mit drängend kraftvollen Abschnitten und lichten zarten Momenten beeindrucken und berühren bis in die heutige Zeit.

Die Beschäftigung mit dem Tod ist von Angst, Trauer und Schmerz geprägt. Pärt und Mozart haben in ihrer jeweils eigenen musikalischen Sprache einen Ausdruck für diese Gefühle gefunden. In ihren Werken wird die Verbindung von Ästhetik und Spiritualität deutlich, eine Verbindung, die helfen kann, Trost zu spüren und Schmerz zu lindern. Diesen Prozess beschreibt Arvo Pärt in seinem musikalischen Credo: „Ich habe herausgefunden, dass es genug ist, wenn eine einzige Note schön gespielt wird. Diese Note, oder ein Moment der Stille trösten mich.“

Elfriede Trieb